Methodik · technische Transparenz
Wie wir deine Verbindung wirklich messen
Einem Speedtest sollte man nicht einfach glauben. Hier steht alles: gegen welche Server wir messen und warum, wie lange jede Phase dauert, wie die Endzahl berechnet wird und — vor allem — was diese Messung nicht sagen kann. Der letzte Teil fehlt fast überall, und genau er zählt, wenn du entscheiden musst, ob du dich beim Anbieter beschwerst oder den Router tauschst.
In zwei Zeilen: Der Test läuft in deinem Browser gegen die öffentliche Infrastruktur von Cloudflare, dauert insgesamt rund zwanzig Sekunden und liefert einen stabilen Wert, der über Perzentile statt über einen Mittelwert berechnet wird. Wir nutzen keine Server in den Netzen der Anbieter, denn ein Server im Netz deines Providers liefert schönere und weniger wahre Zahlen.
1. Wogegen wir messen, und warum
Der Test fragt die weltweite Infrastruktur von Cloudflare ab, verteilt über hunderte Rechenzentren. Cloudflare leitet die Anfrage an den nächstgelegenen Standort, du misst also den Weg, den du beim Surfen tatsächlich zurücklegst.
- Latenz und Jitter:
https://speed.cloudflare.com/__downmit leerer Nutzlast, um die Umlaufzeit von der Übertragungszeit zu trennen. - Download: derselbe Endpunkt mit wachsenden Nutzlasten.
- Upload:
https://speed.cloudflare.com/__upper POST. - Serverstandort:
https://speed.cloudflare.com/meta.
Die neutrale Infrastruktur ist der größte Unterschied zu vielen bekannten Tests, die gegen Server innerhalb des Anbieternetzes messen. Solche Server schmeicheln dem Ergebnis, weil der Verkehr das Providernetz nie verlässt: als würde man ein Auto bergab stoppen.
2. Wie lange der Test dauert
Insgesamt etwa zwanzig Sekunden:
- Latenz: 12 aufeinanderfolgende Messungen, davor eine Aufwärmanfrage, die nur die Verbindung öffnet (DNS, TLS) und verworfen wird.
- Download: 8 Sekunden.
- Upload: 9 Sekunden.
Fest ist die Zeit, nicht die Datenmenge: auf einer langsamen Leitung werden weniger Daten übertragen, die Messung dauert aber gleich lang. Deshalb funktioniert der Test auch auf einer schlechten Mobilfunkverbindung, wo Tests mit fester Datenmenge oft aufgeben.
3. Ping und Jitter
Wir senden 12 aufeinanderfolgende Anfragen mit leerer Nutzlast und messen jede Umlaufzeit. Dann:
- Ping = der kleinste der 12 Werte. Nicht der Mittelwert: das Minimum ist die Latenz des Netzes, wenn nichts dazwischenkommt, also die physikalische Eigenschaft der Strecke. Höhere Werte enthalten Warteschlangen, WLAN-Konkurrenz und Verzögerungen des Betriebssystems — auch nützlich, aber eine andere Frage.
- Jitter = die mittlere Schwankung zwischen aufeinanderfolgenden Messungen. Diese Zahl zählt bei Videoanrufen und Onlinespielen: eine Leitung mit niedrigem Ping, aber hohem Jitter macht mehr Ärger als eine mit höherem, gleichmäßigem Ping.
Zusätzlich zeigen wir einen getrimmten Mittelwert, berechnet ohne den besten und den schlechtesten Wert, als Hinweis auf die typische Latenz.
4. Download
8 Sekunden lang laden wir Nutzlasten wachsender Größe — 1, 5, 10, 25 und 50 MB — und messen den momentanen Durchsatz während die Daten ankommen, mit performance.now(). Jeder Messwert ist empfangene Bytes × 8 geteilt durch die verstrichene Zeit, in Mbit/s.
Der Endwert ist das 90. Perzentil der letzten 60% der Messwerte. Zwei Entscheidungen, zwei Gründe:
- Die ersten 40% verwerfen wir, weil die Verbindung am Anfang noch hochfährt (Slow Start) und die Geschwindigkeit künstlich niedrig ist. Sie mitzuzählen würde die Leitung unterschätzen.
- Wir nehmen das 90. Perzentil statt des Mittelwerts, weil ein Mittelwert von einem einzelnen kurzen Aussetzer nach unten gezogen wird, während ein hohes Perzentil die Geschwindigkeit beschreibt, die die Leitung hält, wenn sie sauber arbeitet.
Das ist eine offengelegte, keine neutrale Entscheidung: sie liefert einen etwas optimistischeren Wert als das arithmetische Mittel derselben Messwerte. Wir sagen das lieber, als es zu verschweigen.
5. Upload
Der Upload ist der schwierige Teil, besonders mobil. 9 Sekunden lang senden wir Datenblöcke mit diesen Vorkehrungen:
- Adaptive Blockgröße: Start bei 256 KB, Verdopplung solange das Netz mithält, bis maximal 8 MB. Dauert ein Block zu lange, halbiert sich die Größe. So wird Glasfaser nicht mit zu kleinen Blöcken gemessen und eine Mobilfunkleitung nicht mit zu großen blockiert.
- Parallele Verbindungen: 3 am Rechner, 1 mobil. Auf dem Smartphone behindern sich parallele Uploads gegenseitig und das Ergebnis wird schlechter.
- Fehlertoleranz: jeder Sendevorgang hat ein eigenes Zeitlimit; scheitert er, wird mit kleinerem Block erneut versucht. Ein Funkloch bringt nicht den ganzen Test zu Fall.
Der Endwert ist das 75. Perzentil der letzten 60% der Messwerte — vorsichtiger als beim Download, weil der Upload von Natur aus stärker schwankt. Kommt kein einziger gültiger Messwert zustande, wird der Upload als nicht gemessen ausgewiesen statt geschätzt: ein fehlender Wert ist besser als ein erfundener.
6. Die Grenzen dieser Messung
Dieser Abschnitt fehlt bei fast jedem Test und ist der wichtigste. Ein niedriges Ergebnis heißt nicht automatisch, dass dein Anbieter dich betrügt: meist sitzt der Engpass zwischen Router und Endgerät, nicht zwischen Router und Welt.
- WLAN gegen Kabel. Faktor Nummer eins. Auf einem Gigabit-Anschluss schafft heimisches WLAN real selten mehr als 400-600 Mbit/s, mit einem einige Jahre alten Router deutlich weniger. Wer die Leitung messen will, verbindet den Rechner per LAN-Kabel mit dem Router. Wer über WLAN misst, misst das WLAN.
- Das Endgerät. Ein Notebook mit 802.11n-Karte kommt über rund 150 Mbit/s nicht hinaus, egal was die Leitung kann. Auch die Buchse zählt: viele günstige Rechner haben noch 100-Mbit-Anschlüsse, die das Ergebnis exakt dort kappen.
- Der Browser. Der Test läuft als JavaScript im Browser, der Browser ist also Teil der Messung. Sehr alte Versionen, Erweiterungen, die Datenverkehr filtern, Energiesparmodi und CPU-hungrige Tabs senken das Ergebnis.
- Andere Geräte im Haushalt. Ein Fernseher in 4K, eine laufende Cloud-Sicherung oder eine Kamera, die Videos hochlädt, verbrauchen Bandbreite während der Messung. Die Messung stimmt trotzdem: sie zeigt nur nicht die Gesamtkapazität, sondern das, was übrig war.
- Die Uhrzeit. Zwischen 21 und 23 Uhr ist das Zugangsnetz stärker belastet und die reale Geschwindigkeit kann spürbar sinken. Ein Abendtest und ein Morgentest erzählen zwei verschiedene, beide wahre Geschichten.
- VPN. Ein VPN fügt einen Zwischenschritt hinzu: weniger Tempo, höherer Ping. Vor der Messung abschalten.
- Eine Messung ist eine Momentaufnahme. Sie sagt, wie die Leitung in diesen zwanzig Sekunden war, von diesem Gerät, an diesem Punkt der Wohnung. Über den Rest des Tages sagt sie nichts.
7. Das Ergebnis mit dem Vertrag vergleichen
Die Zahl, für die du zahlst, ist nicht die Zahl, die du auf dem Bildschirm erwarten darfst. Im Vertrag stehen mehrere Werte, und nur einer trägt eine Beschwerde:
- Maximale Geschwindigkeit — das "bis zu" aus der Werbung. Die Grenze der Technik, kein Versprechen.
- Normalerweise zur Verfügung stehende Geschwindigkeit — was der Anbieter als üblich angibt.
- Minimale Geschwindigkeit — der einzige Wert, auf dem sich eine Beschwerde aufbauen lässt. Er steht im Produktinformationsblatt, meist deutlich niedriger als erwartet.
Sinnvoll vergleichen heißt: per LAN-Kabel messen, andere Geräte still, den Test zu verschiedenen Uhrzeiten an mehreren Tagen wiederholen und die Ergebnisse notieren.
Eine Klarstellung, die wir dir schulden: diese Messung hat keine rechtliche Wirkung. In Deutschland gibt es ein echtes Minderungsrecht, wenn die tatsächliche Geschwindigkeit erheblich von der vertraglich vereinbarten abweicht — nachzuweisen aber nur mit der offiziellen Desktop-App der Bundesnetzagentur auf breitbandmessung.de, nach dem vorgegebenen Protokoll von 30 Messungen an drei Kalendertagen. RealMbps hilft dir zu entscheiden, ob sich dieser Aufwand lohnt, und schließt vorher die häuslichen Ursachen aus. Wie das Verfahren genau abläuft, steht im Anbieter-Ratgeber.
8. Wie genau ist das
Ehrlich gesagt: wir haben keinen systematischen Vergleich zwischen RealMbps und den Werkzeugen der Regulierungsbehörden durchgeführt und veröffentlichen deshalb keine zertifizierte Fehlerspanne. Diese Zahl wäre erfunden.
Sagen können wir, wie sich die Messung verhält: unter kontrollierten Bedingungen — Kabel, nichts anderes aktiv, wiederholte Tests — sind die Ergebnisse reproduzierbar und in sich stimmig; der Download ist stabiler als der Upload, der naturgemäß stärker schwankt; und die Unterschiede zwischen zwei Durchläufen stammen fast immer aus den Faktoren in Abschnitt 6, nicht aus dem Verfahren. Wer dreimal hintereinander per Kabel misst und stark abweichende Zahlen bekommt, hat die Ursache im eigenen Netz — auch das ist eine brauchbare Information.
9. Wie du das Gesagte überprüfst
Der Testcode ist JavaScript, vom Browser geladen und nicht verschleiert. Du kannst ihn lesen:
- F12 drücken, den Reiter "Sources" öffnen und die Datei
script.jswählen; - nach
measureLatency(),measureDownload()undmeasureUpload()suchen: sie entsprechen genau dieser Seite.
Findest du einen Widerspruch zwischen dieser Seite und dem Code, ist das unser Fehler: sag uns Bescheid, wir korrigieren. Die Quellen der übrigen Daten stehen unter Daten und Quellen.
10. Worin wir uns unterscheiden
- Neutrale Server, nicht im Netz deines Anbieters.
- Keine Anmeldung, keine gespeicherten Ergebnisse, außer du veröffentlichst eines in der Rangliste.
- Ein Verfahren, das auch mobil funktioniert, wo viele Tests den Upload unterschätzen oder abbrechen.
- Vollständig offengelegte Methodik, Grenzen inklusive.
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